aoMV – Warum ich mit „JA“ stimme

Am 01.06. möchte der VfB ein Stück Vereinsgeschichte schreiben und die Profi-Fußball-Abteilung ausgliedern. Auf den sozialen Netzwerken ist der Kampf zwischen Ja- und Nein-Sagern mittlerweile in vollem Gange. Der VfB wird für seine Kampagne mit Misstrauen bestraft und Verschwörungstheorien beider Seiten pflastern den Zeitstrahl, der Richtung aoMV führt.

 

Eins vorne weg: Ich finde die Art und Weise, wie der VfB in seinem Wahlkampf kommuniziert, alles andere als gelungen. Es wäre so einfach gewesen, offen und ausführlich über Vor- und Nachteile, Entscheidungsgrundlagen und in gewissem Umfang auch über Zukunftspläne zu berichten. Stattdessen wurden die Argumente auf den einprägsamen Satz „Ja zum Erfolg“ heruntergebrochen und damit Misstrauen und Verschwörungstheorien nur gefördert.

 

Der Drei-Wort-Satz „Ja zum Erfolg“ vereinfach viel, ist aber im Endeffekt nicht zwingend falsch. Geld schießt keine Tore, ist aber maßgeblicher Einflussfaktor, wenn es darum geht, eine auf Dauer funktionierende und qualitativ hochwertigen Kader zusammenzustellen. Siehe die Beispiele RB Leipzig (ja ich weiß, dass es sich um eine andere Art von Engagement handelt) und Hertha BSC Berlin. Selbstverständlich gibt es auch Gegenbeispiele, siehe Leverkusen, Wolfsburg, 1860 (auch hier andere Arten von Engagement) und natürlich die Sportsfreunde aus Hamburg. Daraus resultiert jedoch der ganz klare Fingerzeig, dass es auf die Leute ankommt, die das Geld investieren und nicht auf das Geld.

 

Vertrauen ist der erste Schritt zur Besserung

Auch wenn es diverse Gegenmeinungen gibt, ich bin der Meinung, dass derzeit das beste Management an der VfB-Spitze arbeitet, seit ich den VfB wirklich intensiv verfolge – dabei schließe ich natürlich v.a. Herrn Schindelmeiser ein, aber auch die Herren Heim und Dietrich. Gerade letztere beide sind mir ehrlich gesagt nicht furchtbar sympathisch, aber sie machen – soweit ich es aus der Ferne beurteilen kann – einen guten Job. Und das muss letztendlich der Bewertungsmaßstab sein, den wir anlegen müssen, wenn wir über gute oder schlechte Arbeit der Verantwortlichen reden.

Der Präsident redete zuletzt darüber, dass die Ausgliederungsdebatte den Verein gelähmt hat. Ich sehe das anders. Ich glaube, dass das grundsätzliche Misstrauen, dass die Verantwortlichen ja sowieso irgendwann nur ausgliedern wollen, den Verein gelähmt hat. Zur Klarstellung: ein gesundes Misstrauen ist nicht schlecht, Überwachung sorgt für Disziplinierung und das tut dem Verein letztendlich auch gut. Ich sah in den letzten Jahren aber auch heute teilweise ein übertriebenes Misstrauen gegenüber bestimmten Personen, das der Entwicklung des Vereins eben nicht so gut tut.

Ich möchte das ändern. Selbstverständlich stellt die Ausgliederung einen massiven Vertrauensvorschuss dar. Ich bin aber ohne Zweifel bereit, diesen zu Gunsten einer kontinuierlichen Entwicklung in der Zukunft zu gewähren. Dabei bin ich mir des Risikos durchaus bewusst, dass es nicht funktioniert. Ich bin aber überzeugt, dass die Chance dabei größer ist als das Risiko.

 

Der Zeitpunkt ist geeignet

Die Chance ist größer als das Risiko – das gilt meiner Meinung nach sowohl hinsichtlich der handelnden Personen als auch hinsichtlich des Zeitpunktes. Wir haben nicht nur jetzt Personen an der Spitze, denen ich sinnvolle Investitionen zutraue, sondern wir haben darüber hinaus auch jetzt Investitionsbedarf – sei es das Stadiondach oder die Nachwuchsplätze. Natürlich brökelt im NLZ nirgends der Putz von den Wänden, wer das sagt, verfälscht im Übrigen auch die Aussagen der Verantwortlichen. Es geht auch hier darum, die Qualität weiter zu optimieren, Innovationen nutzbar zu machen und dadurch Fortschritt zu erzielen – als BWL´ler kann ich dieses Innovationsdenken nur unterstützen.

 

Das Risiko ist kalkulierbar

Die Angst vor einer Rückkehr der „Champions-League-Falle“ ist eines der Argumente, die ich tatsächlich nachvollziehen kann. Letztendlich sehe ich das Risiko hier aber völlig im Rahmen. Der VfB würde im Falle einer Ausgliederung im ersten Schritt wohl seinen Etat von 40 auf ca. 50 Millionen erhöhen und sein Transferbudget von 5-6 Millionen auf etwa 10 Millionen. Diese Erhöhung bewegt sich in meinen Augen in einem vernünftigen Rahmen und unterstreicht den Anspruch der Verantwortlichen, keine verrückten Dinge machen zu wollen.

 

Mit der AG kann ich leben

Als Rechtsform hat der VfB die AG auserkoren und dafür ebenfalls Kritik geerntet. Es mag daran liegen, dass ich aus der Finanzbranche komme und damit keine Vorbehalte gegen die Rechtsform AG habe. Letztendlich komme ich auch hier wieder auf die in meinen Augen schwache Kommunikation des VfB zurück. Der VfB hält die AG schlicht für „die beste Rechtsform“, die Ultras fordern beispielsweise eher eine GmbH & Co. KGaA, um den Investoreneinfluss zu begrenzen.

Es wäre aus Sicht des VfB möglicherweise einfacher gewesen, mit dem Finger nach Berlin zu zeigen, als stumpf mit „die beste Rechtsform“ zu argumentieren. Hertha BSC gliederte bereits 2001 in eine GmbH & Co. KGaA aus und suchte dann jahrelang nach Investoren. 2014 stieg dann der amerikanische Finanzinvestor KKR ein. Würden wir die GmbH & Co. KGaA ernsthafter in Betracht ziehen, stünden wir also vor der Wahl, einerseits mit einer AG (mit den entsprechenden Auswirkungen auf den Einfluss der Investoren)  die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, Investoren zu finden, denen der VfB am Herzen liegt. Mit der GmbH & Co. KGaA sinkt andererseits der Einfluss der Investoren, daneben steigt aber auch das Risiko, infrastrukturell nicht ansprechend genug für die Investoren aufgestellt zu sein, die sich wirklich für den VfB interessieren. Ich für meinen Teil habe meine Entscheidung getroffen; ich möchte keinen x-beliebigen Investor – deshalb kann ich mit der AG leben.

 

Ein Abschlusswort

Abschließend bleibt mir zu sagen: Ich würde mich freuen, wenn die notwendige Mehrheit das Vorhaben der Ausgliederung unterstützt und dem VfB die Möglichkeit gibt, diese Chance wahrzunehmen. Ich für meinen Teil werde meinen Beitrag leisten.

Und: Ein Aufruf an alle – Egal ob Ja oder Nein: Alle zur MV! Morgen stehen wir Mitglieder in der Verantwortung. Es wäre herausragend, wenn so viele Mitglieder wie möglich ihre Meinung kundtun. Es kann nur im Sinne des VfB und seiner Fans sein, wenn das Abstimmungsergebnis so repräsentativ wie möglich ist.

Und: Egal, wie es ausgeht. Wir sind alle Fans des VfB. Wir lieben diesen Verein. Wir leben diesen Verein. Und das werden wir weiter tun. Egal ob e.V. oder AG.

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Das Märchen vom Wolf und den 11 Leistungsverweigerern

Es war einmal in einem gar nicht so weit entfernten Land. Dort, in einem Talkessel gelegen, regiert der böse König Wolfgang. Der war im Volk nur teilweise beliebt, weil er es einst für eine gute Idee hielt, einen Bahnhof in eben diesem Land zu verbuddeln. Doch brauchte das Land einen neuen König, weil der ursprünglich sehr beliebte König Bernd das Land durch viele falsche Entscheidungen, wie den Prinzen Robin in den Abgrund getrieben hatte. So kam das Volk am 09.10. zusammen und krönte seinen neuen König in der Volksversammlung mit knapper Mehrheit. Zusammen mit seinem Hofstaat um seine Minister Jan, Jochen und Stefan hat er nun die Aufgabe in seinem Lande wieder für Ordnung zu sorgen.

Seine erste Dienstreise führte den neuen König nun ins Sachsenlande. In der dortigen Hauptstadt trat sein Heer im DDV-Stadion zu Dresden zum ersten Kampf an. Das Volk war guter Dinge, denn bevor der König Wolfgang gekrönt wurde, war das Heer des Schwabenlandes überaus erfolgreich. So schlug es unter Feldwebel Wolf, dem offiziellen Nachfolger des Generals Jos die Franken in die Flucht. Vor allem die Ritter Carlos und Benjamin entzückten dabei die Herzen des schwäbischen Fußvolkes. Und so brachen die tapferen Recken auf um in Dresden diesen Erfolg zu wiederholen. 

Doch nach ordentlichem Beginn begann das Heer, wieder in alte Muster zu verfallen, die das Schwabenland einst in den Abgrund getrieben hatten. Die eigene Deckung wurde komplett außer Acht gelassen und so kam es wie einst auch unter den Heerführern Alexander und Jürgen. Die tapferen Schwaben ließen nicht zu verzeihende Lücken in der eigenen Verteidigung und so schafften es die Sachsen, ein ums andere Mal durchzubrechen. Und so geschah es, dass wie einst die Römer in den Asterix- und Obelix-Filmen, dieses mal das Heer der Schwaben kräftig vermöbelt wurde. Die schwäbischen Kämpfer schafften es nie, das Heer aus dem Sachsenlande zu verwunden. Keiner der am Ende 4 Angreifer schaffte es, die Reihen der Dresdner zu durchbrechen. Stattdessen verloren die schwäbischen Kämpfer komplett die Kontrolle. Wie zu schlimmsten Zeiten unter König Bernd.

Mit mehr als nur einem blauen Auge trat die auseinandergenommene Truppe die Heimreise an. Das schwäbische Fußvolk, das zu tausenden die Reise ins Sachsenland angetreten hat, war mal wieder enttäuscht. Feldwebel Wolf musste sofort beginnen, die krachende Niederlage aufzuarbeiten. Schon bei der Heimfahrt in der schwäbischen Nobelkutsche sprach der Feldwebel darüber, wie man es beim nächsten Kampf besser machen kann. Trotzdem schwindet das Vertrauen in den neuen neuen Heeresführer. Das Volk teilt sich langsam wie bei König Dietrich in zwei Teile. Diejenigen, die es absurd finden, dass der neue Trainer und die Mannschaft nun so kritisiert wird – und diejenigen, die mal wieder keine Hoffnung mehr haben.  Die Stimmung im Schwabenlande war auf einmal viel schlechter als nur ein Spiel zuvor.

Und die Moral von der Geschicht: Gewinnen ist gut, verlieren nicht.

 

Aber nun mal ehrlich: Ja, der Auftritt in Dresden war scheisse. Aber nun alles in Frage zu stellen, ist Blödsinn. Es war von Anfang an klar, dass man nicht ohne Tiefpunkt durchmarschiert. Dass es einen Rückschlag gibt, war klar. Dass dieser so früh kommt und so extrem ist, ist bitter. Jedoch kommt es eher darauf an, welche Schlüsse man daraus zieht. Hannes Wolf hat die Chance verdient zu zeigen, dass er der Mannschaft Lehren aus einer solchen Niederlage vermitteln kann. Julian Nagelsmann hat in Hoffenheim ein krachendes 1:5 in Stuttgart kassiert und ist noch immer Trainer. Ganz einfach, weil er danach erfolgreicher war, ohne seinen Stil komplett zu verändern. Es mag sehr vereinfachend klingen, aber wenn hier die Stimmung nur gut ist, wenn die Mannschaft attraktiv spielt und gewinnt, ist das Umfeld ja vielleicht doch schwierig.

Es liegt nun an Hannes Wolf, zu zeigen, dass er die Mannschaft im Griff hat und so verändern kann, dass sie wieder erfolgreich werden kann. Am besten schon nächste Woche – dann kommt die Mannschaft des Kaisers Ismaik aus München ins Schwabenland.

 

Bild: Welt/dpa

Piraten in Bad Cannstatt – Vorausblick auf den ersten Spieltag

​Wolfsburg, 14.05.2016. Der VfL schießt den VfB Stuttgart in die zweite Liga. Es ist das Ende einer Entwicklung, die weder Bernd Wahler noch Robin Dutt noch Alexander Zorniger noch Jürgen Kramny aufhalten konnten. Die logische Folge von jahrelangem Missmanagement. In neun Jahren von der Meisterschaft 06/07 zur Abstiegsmannschaft 15/16. Ein rekordverdächtiger Niedergang eines Traditionsvereins.
Seitdem ist viel und doch zu wenig passiert. Jos Luhukay übernahm von Jürgen Kramny. Der Aufstiegsmeister soll den Aufstieg meistern. Jan Schindelmeiser übernahm nach wochenlanger Vakanz auf dem Sportvorstandsposten. Er wird die nächsten Wochen dazu nutzen müssen, den VfB-Kader aufstiegstauglich(er) zu machen. Der Chefsessel von Bernd Wahler bleibt unterdessen leer. Top-Kandidat soll wohl Wolfgang Dietrich, der Ex-Stuttgart21-Sprecher sein. Die Mitgliederversammlung im Oktober wird entscheiden, ob sein Wechsel vom tiefergelegten Bahnhof zum tiefergelegten VfB klappt. Kritik an den Plänen des VfB-Aufsichtsrates gab es jedenfalls genügend. Auf die Gefahr hin, dass ich mich unbeliebt mache: Ich finde einen eher als „schwierigen Charakterkopf“ geltenden Menschen an der Spitze meines Vereins nicht schlecht. Der VfB muss es endlich schaffen, eine unbedingte Erfolgsorientierung zu etablieren. Umso besser, wenn du an der Spitze jemanden hast, der das verkörpern kann. Die Zeiten des „Netten, sympathischen Mann aus der Region“ sind fehlgeschlagen, dass müssen wir akzeptieren. Und man könnte wahrlich schlechtere Referenzen als den Lebenslauf von Dietrich haben (Stichwort: Unternehmensführung, Sportmarketing, Krisenmanagement S21), auch wenn ich verstehe, dass ihn sein Engagement beim Bahnprojekt S21 in der Region vollkommen unbeliebt machte.

Im Kader gab es ebenfalls viele Veränderungen. Die Gesichter des sportlichen Niedergangs um Georg Niedermeier, Daniel Schwaab, Martin Harnik und irgendwie auch Timo Werner haben den Verein verlassen genauso wie die meisten der wenigen Glanzlichter der letzten Saisons um Filip Kostic, Lukas Rupp und Daniel Didavi. Dafür wurden v.a. Gesichter geholt, die für Mentalität stehen: Jean Zimmer, Hajime Hosogai und Tobias Werner vorneweg. Für mich eine richtige Entscheidung. In den kommenden 34 Spielen müssen 11 Mann mit 22 Eiern in der Hose auf dem Platz stehen, die bereit sind, alles zu tun, um den VfB wieder nach oben zu bringen. Dazu der letztjährige Zweitliga-Torschützenkönig Simon Terodde. Einige Spieler, allen voran Mitch Langerak, Kevin Großkreutz, Timo Baumgartl, Christian Gentner, Alexandru Maxim und Daniel Ginczek blieben treu, andere wie Emiliano Insua und Toni Sunjic wohl ebenfalls. Ob dieser Kader letztendlich aufstiegstauglich ist, steht in den Sternen, deswegen ist es definitiv richtig, dass der VfB noch was auf dem Transfermarkt tun möchte.

Zum Start der Zweitliga-Saison gastieren die Piraten aus Hamburg St. Pauli. Dort ist alles wie immer. Zettel-Ewald steht an der Seitenlinie und Leute mit Ewald-Lienen-Maske stellen Neuzugänge vor.

Ich freue mich auf das Duell mit diesem herrlich verrückten Club. Trotzdem kann ich nicht verhehlen, dass ich absolut nervös bin. Der VfB muss aufsteigen, sonst schießt er sich langfristig ins sportliche und finanzielle Nirvana. Der VfB wird von allen Seiten als der Favorit gesehen und wohl auch so bespielt. So nervös war ich zuletzt vor dem Spiel gegen Bremen – das war auch richtungsweisend für den Rest der Saison. Es war auch ein Spiel, dass der VfB gewinnen musste. Und es war auch ein Montagsspiel…
Ich hoffe, der VfB weiß, um was es geht. Die Fans sind bereit. Bis Freitag wurden 54.000 (!) Karten verkauft, etwa 25.000 (!) Dauerkarten wurden verkauft. Gemeinsam packen wir den Wiederaufstieg! Auf geht’s Stuttgart, kämpfen und siegen!

Name-dropping und Wunschtransfers – VfB-Kaderplanung in der 2. Liga

Nun ist es also passiert. Der VfB Stuttgart ist abgestiegen. Uns steht also eine total spannende Zeit mit vielen Gerüchten und Wechseln bevor. Ein einigermaßen vielversprechendes Gerüst scheint zu stehen, dennoch ist es notwendig, Kaderbaustellen endlich sinnvoll zu schließen. Ich habe mal recherchiert, wer uns für Liga 2 vielleicht weiterhelfen könnte, habe mir Statistiken angesehen und mein Wunsch-Schema erarbeitet. Es ist viel Name-dropping dabei, allerdings auch ein paar Namen, die ich furchtbar gern beim VfB sehen würde. Viel Spaß beim Lesen!

 

Status quo TW:

Przemyslaw Tyton                                                                                                                                 Mitchell Langerak                                                                                                                            Benjamin Uphoff

Auch wenn ich Titi gerne habe, trennen sich wohl die Wege. Für ihn sollte eine kleine Ablöse drin sein, mit der ich Andreas Luthe vom VfL Bochum finanzieren würde. Ich halte Luthe für einen sehr guten Torhüter, der zudem wahrscheinlich gar nicht so teuer wäre, da er momentan suspendiert ist. Alternativ könnte ich mir auch Patric Klandt (Ersatzkeeper SC Freiburg) und Daniel Haas (Union Berlin) vorstellen. Beide stellen die erfahrene Lösung dar, während Luthe noch im besten Fußballer-Alter ist. Als dritten Torhüter würde ich einen jungen Torhüter bevorzugen. Hier liegt die interne Lösung Benni Uphoff oder Marius Funk nahe. Als ersten Torhüter würde ich Mitchell Langerak bevorzugen, der angekündigt hat, dass er bleibt.

 

Status quo LV

Emiliano Insua                                                                                                                                      Philipp Heise

Hier würde ich am liebsten nichts verändern. Zwei spielstarke LV mit Offensivdrang sind das, was wir gegen tiefstehende Gegner in Liga 2 brauchen. Im Notfall könnte mit Mete Celik oder Thomas Hagn vom VfB II aufgefüllt werden. Sollte Emiliano nicht bleiben, fände ich Leart Paqarada vom SV Sandhausen super. Es ist noch jung und hat diese Saison super Ansätze gezeigt.

 

Status quo IV

Timo Baumgartl                                                                                                                                          Toni Sunjic                                                                                                                                                    Federico Barba                                                                                                                                        Daniel Schwaab                                                                                                                                        Georg Niedermeier

Was die Innenverteidigung angeht befürworte ich einen absoluten Umbruch. So würde ich die auslaufenden Verträge von Niedermeier und Schwaab nicht verlängern. Bei Barba ist es schwierig, ihn anhand zweier Spiele zu beurteilen. Die Tendenz geht auch hier eher Richtung Abschied. Sunjic würde ich verkaufen. Für Timo Baumgartl ist die zweite Liga aber eher eine Chance, sich körperlich und kämpferisch weiterzuentwickeln. Außerdem könnte er eine Identifikationsfigur für die Fans werden. Aus den Gerüchten der Vergangenheit ist mir vor allem der Name Rasmus Thelander hängen geblieben, der ordentliches Feedback hervorrufen konnte. Ihn würde ich gerne im Brustring begrüßen. Außerdem könnte ich mir Macel Correira von Eintracht Braunschweig gut vorstellen. Weitere interessante Namen wären beispielsweise Christian Schulz (Hannover 96) und Arlind Ajeti (albanischer Nationalspieler, Frosinone Calcio) die beide Stand jetzt ablösefrei wären. Ergänzt werden kann diese Position um Stefan Ripic aus der 2. Mannschaft und die U19-Spieler Sercan Baloglu, Danny Collinge und Alex Groiß

 

Status quo RV

Kevin Großkreutz                                                                                                                                  Florian Klein

Neu: Jean Zimmer.

Durch den Neueinkauf Jean Zimmer halte ich es für sinnvoll das Kapitel Florian Klein beim VfB Stuttgart zu beenden. Die interne Nachbesetzung mit Matthias Zimmermann halte ich für mindestens gleichwertig. Dahinter sehe ich Fabian Gmeiner aus der U19, der jetzt oder nie den Sprung schaffen muss. Die Szenen, die ich von ihm gesehen habe, sahen sehr vielversprechend aus.

 

Status quo DM/ZM

Serey Die                                                                                                                                                      Mart Ristl                                                                                                                                             Christian Gentner                                                                                                                                    Lukas Rupp

Aus meinem Blickwinkel würde ich es befürworten, alle 4 zu halten, v.a. da ich Rupp eher in einer offensiven Reihe rechts sehe. Dazu muss definitiv noch mindestens ein Spieler der die 6 spielen kann, verpflichtet werden, um den Platz hinter Die zu füllen. Ich würde hier Denis Linsmayer vom SV Sandhausen und Sebastian Griesbeck vom 1. FC Heidenheim vorschlagen. Alternativ wäre auch Damir Kreilach von Union Berlin eine Lösung. Alle drei haben in meinen Augen eine gute Saison gespielt und können dem VfB weiterhelfen. Auffüllen würde ich diese Position mit Max Besuschkow, der beim VfB II überzeugen konnte.

 

Status quo OM:

Daniel Didavi                                                                                                                                          Alexandru Maxim                                                                                                                                   Arianit Ferati                                                                                                                                               Marvin Wanitzek

Da Daniel Didavi den Verein verlässt, wird es Zeit für Alex Maxim die Lücke dahinter zu schließen. Ich persönlich glaube an das Potenzial von Ferati und Wanitzek und würde versuchen, sie hinter Maxim aufzubauen. Joel Sonora vom VfB II und Berkay Özcan aus der U19 sind ebenfalls spannende Kandidaten. Da man nicht von den ganzen jungen Spielern den Durchbruch sofort erwarten kann, würde ich die (offizielle) BU-Position für Maxim extern besetzen. Hier finde ich die Namen Kevin Möhwald (1.FC Nürnberg – vorausgesetzt, sie steigen nicht auf) und Yuya Osako (1.FC Köln) interessant.

 

Status quo LM

Filip Kostic

HIer muss wohl allein schon aus finanziellen Gründen etwas verändert werden. Entsprechend würde ich aber auch stark nachbesetzen, da ein funktionierender Flügel gegen tief stehende Gegner gegen den großen VfB gold wert sein kann. Ich fände Gerrit Holtmann (Eintracht Braunschweig) und Marvin Stefaniak (Dynamo Dresden) wäre hier eine passable Besetzung. V.a. letzterer kam in der 3. Liga auf stolze 18 Torvorlagen und ist mit 21 Jahren noch sehr entwicklungsfähig. Moritz Stoppelkamp (SC Paderborn) wäre ebenfalls eine spannende Personalie. Daneben gibt es in Deutschland viele Spieler, deren Verträge auslaufen: Ruben Jensen (1. FC Kaiserslautern), Marco Terrazzino (VfL Bochum), Danny Blum (1. FC Nürnberg), Ivo Ilicevic (Hamburger SV), Tobias Kempe (Darmstadt 98) aber auch aus dem Ausland, deren Wechselbereitschaft schwer einzuschätzen ist: Hal Robson-Kanu ist walisischer Nationalspieler (FC Reading, 2. englische Liga), Alexandru Chipciu ist rumänischer Nationalspieler (Steaua Bukarest) und Alexander Kacaniklic schwedischer Nationalspieler (FC Fulham). Allesamt sind sie ablösefrei zu haben. Vielleicht kann der VfB sich ja einen angeln? Auffüllen würde ich mit Caniggia Ginola Elva vom VfB II und Dijon Ramaj aus der U19, von dem ich persönlich sehr viel halte.

 

Status quo RM

Martin Harnik

Auch Martin Harniks Vertrag würde ich auflaufen lassen. Für die RM-Position würde ich am liebsten Lukas Rupp einplanen. Sowohl Jean Zimmer als auch Kevin Großkreutz können die Position zur Not ebenfalls bekleiden. Zudem kehrt Marco Rojas aus Thun zurück. Ob es bei seinem geringen Kampfgewicht für die kämpferisch starke Liga reicht, bleibt abzuwarten. Mein Wunschtransfer für das RM wäre Salim Khelifi (Eintracht Braunschweig). Auch Steven Lewerenz von Holstein Kiel bringt tolle Statistiken mit. Dahinter sehe ich aus den eigenen Reihen Adrian Grbic aus der U21 und Sercan Uygun aus der U19.

 

Status quo ST:

Jan Kliment                                                                                                                                                Borys Taschy                                                                                                                                               Artem Kravets                                                                                                                                             Timo Werner                                                                                                                                            Daniel Ginczek

Auf der Mittelstürmerposition würde ich die Leihe von Artem Kravets nicht verlängern. Der Verbleib von Timo Werner kann zumindest als zweifelhaft erachtet werden. Nachfolger könnte Michal Duris von Viktoria Plsen werden, der in tschechiens Liga Vollstreckerqualitäten nachweisen konnte und auch schon Länderspiele absolviert hat. Sein Vertrag läuft aus. Zudem hätte Jungspund Kliment eine Orientierungsperson. Alternativ könnte ich mir Branimir Hrgota und Artjoms Rudnevs vorstellen, die ich beide sehr schätze. Weitere interessante Spieler aus Liga 2 wären Simon Terodde (VfL Bochum), Robert Zulj und Veton Berisha (beide Greuther Fürth). Dahinter würde ich Jan Ferdinand (U19) und relativ bald auch Tim Pöhler (U17) aufbauen. V.a. letzterem traue ich eine richtig große Karriere zu.

 

Trainerstab:

Jürgen Kramny                                                                                                                                              Kai Oswald

Bei Jürgen Kramny befürworte ich grundsätzlich eine Trennung – es ist schlichtweg nicht vermittelbar, mit diesem Trainer weiterzumachen. Kai Oswald würde ich zurück in den Jugendbereich ersetzen, seine Ergebnisse mit der U17 waren sehr ordentlich.

Das Anforderungsprofil sollte relativ klar sein. Es muss ein Trainer sein, der die 2. Liga kennt, aber auch das Potenzial hat, in Liga eins zu trainieren. Er muss junge Spieler entwickeln können und in die Mannschaft einbinden können. Das Kriterium „aus der Region“ sollte hrundsätzlich außen vor gelassen werden. Ich möchte einfach einen Trainer, der alles für den Verein gibt und sich voll damit identifizieren kann. Da spielt es grundsätzlich keine Rolle, woher er kommt.

Als Nachfolger sehe ich Frank Schmidt vom 1. FC Heidenheim ganz weit vorn. Er hat mit extrem geringen Mitteln Heidenheim in der 2. Liga etabliert und mehrere junge Spieler zu gestandenen Zweitligaspielern etabliert. Seine Erfolgsorientierung bewundere ich sehr. Da Heidenheim bzw. Schmidt nach aktuellem Stand abgesagt haben, fände ich Andre Breitenreiter eine gute Option. Er kennt die 2. Liga aus Paderborner Zeiten und hat dort bewiesen, dass er etwas aufbauen kann. Entlassen wurde er mehr als Opfer der Umstände (Bei Paderborn forcierte er den Wechsel, bei Schalke fällt er wohl dem Neuanfang unter dem neuen Manager zum Opfer). Er ist also nie krachend gegen die Wand gefahren und damit gescheitert.

 

Vorstand Sport

Robin Dutt

Ich weiß, dass viele Dutt gerne auf dem Scheiterhaufen sehen würden. Sicherlich hat er eine Mitschuld am Abstieg, v.a. wenn die Berichte stimmen, dass die Saison im März intern für beendet erklärt wurde. Als Vorstand Sport hätte ich mir hier natürlich gewünscht, dass er Arschtritte verteilt und die Mannschaft auf der Höhe hält.

Das Problem ist, dass mir die potenziellen Nachfolger mehr Sorgen machen als ein Weitermachen mit Dutt. Außerdem haben wir enormen Zeitdruck bei der Kaderplanung. Wir dürfen keine Zeit mit einer Sportdirektor-Suche verlieren. Außerdem gibt es offenbar einen Notfall-Plan, der von Dutt bereits erarbeitet wurde. Diesen nicht durchzuziehen zusammen mit der Problematik Zeit wäre fahrlässig.

 

Präsident

Bernd Wahler

Der Präsident ist das Sinnbild des Niedergangs dieses Vereins. Mit Champions-League-Ambitionen in seine Amtszeit gegangen konnte er nie den Verein auch nur ansatzweise in die angestrebten Sphären führen. Es ist Zeit für einen klaren Cut. Bernd Wahler sollte seinen Rücktritt anbieten. Hier kann sich der Verein auch durchaus Zeit mit der Nachbesetzung lassen. Hier gibt es eher keine Zeitproblematik.

 

Bild: http://www.reviersport.de/include/images/articles/wide/000/294/500.jpeg

On the Highway to zweite Liga

Der Schock über die wohl entscheidende Niederlage im Kampf um den Klassenerhalt hat sich mittlerweile gelegt. Die Enttäuschung und die Frustration ob des bevorstehenden Abstiegs ist aber noch immer allgegenwärtig. Dieser Verein bringt einen zur Verzweiflung, zum Weinen, zum Kopfschütteln. Wiedereinmal.

Heute morgen habe ich mich mit einem guten Kumpel unterhalten. Er hat mich angehalten, bloß nicht die Hoffnung aufzugeben. Im Fußball könne so viel passieren. Bis zum Schluss. Er scheint den VfB noch nicht aufgegeben zu haben. Blöd nur, dass er HSV-Fan ist.

Ich würde ihm so gerne glauben, aber was zum Teufel soll mir Hoffnung machen? Beim HSV hat am Ende der Schiedsrichter massiv in den Lauf der Dinge eingegriffen. Wenn uns diese Saison eines gelehrt hat, dann dass die Schiedsrichter höchstens für die Konkurrenten pfeifen. Oder gegen uns. Der Blick auf das Online-Portal „Wahre Tabelle“ macht höchstens aggresiv. Beim HSV fasste sich Marcelo Diaz ein Herz und verwandelte einen Freistoß. Eiskalt. Direkt. Unser letztes direktes Freistoßtor datiert noch immer von annodazumal. Beim HSV rackerte vorne Pierre-Michel Lassogga, von dem man halten kann, was man will, der aber eine mitentscheidende Rolle beim letztjährigen Relegationssieg des HSV trug. Der VfB lief gestern ohne (!) nominellen Stürmer auf.

Wie kann man also die Lage beim VfB mit der letztjährigen beim HSV vergleichen? Die Antwort lautet wohl gar nicht. Und das ist das traurige an der Gesamtsituation. Wie um Himmels Willen soll sich der VfB retten? Selbst wer kein Leistungskurs-Mathe-Abi hat, kann die Tabelle lesen: Der VfB hat es schlichtweg nicht in der eigenen Hand. Und mit Wolfsburg einen Gegner, der zwar schon genug unterirdische Spiele diese Saison abgeliefert hat, aber das Spiel sicherlich nicht abschenken wird. Allein schon, um sich einigermaßen versöhnlich von seinem Publikum in die Sommerpause zu verabschieden.

Es ist also eine absolute Scheiss-Situation oder aber um es mit Jürgen Kramnys Worten zu sagen „bitter“. Ich nehme es ihm ab, dass er zu „100%  VfB“ ist, wie Robin Dutt sagt, jedoch hilft das ja auch nichts, wenn er die Punkte nicht am Neckar behalten kann. In der Rückschau muss man wohl sagen, dass es ein Fehler von Robin Dutt war, an Kramny festzuhalten. Kramny wird in Wolfsburg nochmals auf der VfB-Bank Platz nehmen, wohl ein letztes Mal, wenn man den Berichten glauben kann.

Und wohl auch das letzte Mal, dass Bernd Wahler als VfB-Präsident in der Loge Platz nehmen kann. Auch bei ihm gilt ein Abschied als wahrscheinlich. Bei Robin Dutt ist die Situation noch unklar. Man muss ihm in der Trainerfrage den Hauptschuh anziehen, außerdem stellt sich das Problemfeld Innenverteidigung abschließend als todbringend heraus. 72 Gegentore in 33 Spielen sprechen eine (zu) klare Sprache. Die Frage ist, ob es dem Verein gelingt, in kurzer Zeit entsprechenden Ersatz auf dem Sportdirektor-Posten zu finden. Die Zweitligasaison startet früh.

Die entsprechenden Kaderentscheidungen müssen wohl im Rekord-Tempo getroffen werden. Dazu werde ich demnächst auch meine Gedanken zur Kaderplanung schildern.

Doch zum Spiel: Der VfB startete gut, ging früh 1:0 in Führung. Der Kapitän höchstselbst grätschte den Abschluss von Philipp Heise ins Mainzer Tor und feierte den Führungstreffer hochemotional. Die Fans waren da, meine Stimme war bereits nach einigen Minuten im Arsch. Wir schrien weiter, der VfB spielte aber nicht weiter, sondern überließ Mainz das Feld. Viele Spieler, allen voran die Herren Kostic und Didavi zogen in Zweikämpfen immer zurück. Logische Folge war irgendwann das 1:1 durch Malli und dutzende weitere gefährliche Mainzer Konter. In der Folge durften wir uns mehrfach bei einem richtig starken Mitch Langerak bedanken, dass das Spiel nicht in Bremer Verhältnissen endete.

So half auch die Rückkehr von Kevin Großkreutz nicht, den Turn-around zu schaffen. Der Hoffnungsträger machte ein sehr mäßiges Spiel und war an den Gegentreffern nicht unschuldig.Trotzdem wurde er nach dem Spiel als einziger gefeiert. Um eines klarzustellen, ich mag den Kerl auch. Er ist unglaublich authentisch, ehrlich und treu. Deshalb ist er schon wenige Monate nach seinem Transfer nach Stuttgart absoluter Publikumsliebling. Dass er nach dem Spiel weinend ein Interview gab manifestiert das nur.

Der Rest des Vereins hingegegen war der gnadenlosen Wut des Publikums ausgesetzt („Scheiss Millionäre“, „Vorstand raus“, „Wir ham die Schnauze voll“). Einige hirnlose Platzstürmer und Selfie-Jäger suchten die Konfrontation mit der Mannschaft. Einige Spieler blieben auf dem Platz und suchten den Dialog, andere flohen in die Kabine. Kevin Großkreutz musste mit Gewalt von zwei Ordnern vom Platz geführt werden. Am Ende verkroch sich das ganze Team in der Kabine. Hinter verschlossenen Türen. Mit einem Stuhl unter der Tür eingeklemmt. Die blanke Angst. Nach dem Spiel traten einige Mitglieder der Mannschaft den Fans gegenüber. Abgetrennt durch einen Zaun. Irgendwie symbolisch für einen Verein, in dem Fans und Mannschaft immer mehr fremdeln („Außer Kevin könnt ihr alle gehen“).

Nun also der Neuanfang in Liga 2? Ich bin ganz ehrlich: Beim Gedanken, dass nächstes Jahr Vereine wie (bei allem Respekt) Erzebirge Aue oder der SV Sandhausen in einer zu einem Viertel gefüllten Mercedes-Benz-Arena auflaufen, breche ich nicht gerade in Jubelstürme aus. Aber letztendlich hat der Verein jahrelang darauf hingearbeitet. Der Abstieg dieses Jahr ist die Folge der jahrelangen Misswirtschaft, die diesen Verein hat vor die Hunde gehen lassen. Das Ziel muss sein, schnellstmöglich wieder in Liga eins zu kommen, allein schon aus finanzieller Sicht für diesen chronisch klammen Verein. Schon in der grundsätzlichen Ausgangssituation ist die Gefahr groß, dass der Verein den Beispielen 1860 München Karlsruher SC und 1. FC Kaiserslautern folgt und kaum mehr in die Nähe der 1. Liga kommt. Fans, Mannschaft und Management müssen es schaffen, Erfolgsorientierung in den Verein zu bekommen. Wie das gehen soll? Zusammen! Allein sicher nicht.

 

Autor: @vfbsupporter

 

Bildquellen:

Titelbild: http://i1.web.de/image/380/31541380,pd=4,f=lead-xl/kevin-grosskreutz.jpg

Tun Sie was, Herr Kramny! – Ein Brandbrief an den VfB-Trainer

Sehr geehrter Herr Kramny,

Eins vorneweg: Natürlich ist es schwierig, anhand eines Spiels gegen den besten Tabellenzweiten aller Zeiten zu beurteilen, ob die Mannschaft den Ernst der Lage begriffen hat. Es gibt sicherlich einfachere Spiele, ja. Aber ich betrachte es als Pflicht eines jeden Spielers, der den Brustring trägt, zu kämpfen, zu beißen, zu rennen. Spätestens nach dem 3:0 war das komplette Team mal wieder am Ende. Man hätte glatt denken können, dass Thomas Tuchel seine Mannschaft gebeten hat, gegen seinen alten Arbeitgeber Gnade vor Recht walten zu lassen. Und Dortmund spielte sicherlich auch vor dem 3:0 nicht am Anschlag. Grundsätzlich war also was drin – auch wenn´s sich komisch anhört. Ganz sicher. Und trotzdem hat es wieder nicht gereicht. Genug Grund, um zu handeln. Um etwas zu tun. Machen Sie was, Herr Kramny!

Man kann nicht sagen, dass der VfB nicht auf dem Platz war. Mann kann auch nicht sagen, dass wir nicht nicht in die Zweikämpfe gekommen sind. Ganz im Gegenteil. Wir haben viele Bälle gewonnen. Die ersten Minuten haben mir gar nicht so schlecht gefallen. Bedauerlich, dass der letzte Pass nie ankam. Gut. Meistens kam nichtmal der vorletzte Pass an. Ein offensives Armutszeugnis. Dass ein fast schon jämmerlicher Fernschuss von Daniel Didavi im Prinzip die einzige nennenswerte Chance in Halbzeit eins war, spricht dann auch Bände. Bedauerlich, dass Filip Kostic mehrfach richtig stark durchbrach, doch die Flanken reihenweise Null Gefahr ausstrahlten.

Letzte Saison war es das magische Viereck aus Kostic – Didavi – Harnik und Ginczek, das uns letztendlich den Klassenerhalt ermöglichte. Das leicht modifizierte magische Viereck aus Kostic – Didavi – Harnik und Werner, das heute auflief hatte so gar nichts von Magie. Herr Kramny, eine magere Bilanz von 4 Torschüssen (1 Schuss aufs Tor) sollte doch ein Signal für Sie sein. Ein Ausrufezeichen. Nein, drei Ausrufezeichen. Ich bin der Meinung, dass wir zugunsten offensiver Durchschlagskraft mehr riskiereren müssen. Gerade für das Spiel gegen die Bremer, die genau wie wir nach 31 Spielen 63 Gegentore angesammelt haben und sich mit uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel der Schießbude der Liga liefern, ist es umso wichtiger, den Gegner hinten zu beschäftigen. Vielleicht sogar zu überfordern. Bock auf Offensive war doch einer der Hauptgründe für den Aufschwung nach der Winterpause, Herr Kramny. Es war eine Freude, Filip Kostic und Co. beim Kicken zuzusehen, wie sie die Gegner Woche für Woche niederrangen. Ich denke, wir hätten gute Karten, um das wahrscheinlich (vor-)entscheidende Spiel gegen Bremen zu unseren Gunsten zu entscheiden. Tun Sie was Herr Kramny. Um zu punkten, brauchen wir Tore! Lassen Sie die Jungs wieder von der Kette!

In den letzten 3 Spieltagen wird sich der Großteil der von Robin Dutt ausgerufenen Achter-Liga aus der Affäre ziehen. Dem 1.FC Köln ist es heute wohl gelungen. Genauso wie dem HSV wohl gestern. Der FC Augsburg hat auch wieder gewonnen. Und Hoffenheim hat mMn bei normalem Lauf der Dinge schon lange nichts mehr mit Abstiegskampf zu tun. Es ist kaum auszudenken und ich möchte mir es auch wirklich nicht vorstellen, was passiert, wenn wir das unsägliche Montagsspiel gegen Bremen verlieren.

Herr Kramny, Ihre Vision ist und bleibt es, den VfB defensiv zu stabilisieren. Wenn man sich die Statistik aber so ansieht, muss man konstatieren, dass es irgendwie nicht funktioniert. 63 Gegentore nach 31 Spielen sind ein wenig heftig, finden Sie nicht auch? Es muss etwas passieren. Das Debüt von Federico Barba war nicht das Gelbe vom Ei, aber sicherlich ein Fortschritt. In der Luft fand ich ihn stark, am Boden kam er erst in Hälte zwei in Fahrt. Seine Auswechslung konnte ich nicht nachvollziehen, es wäre die Chance gewesen, ihn noch innen zusammen mit Georg Niedermeier zu beobachten. Florian Klein hat sich mMn beachtlich aus der Affäre gezogen, auch wenn er nicht ganz unschuldig am 0:1 war, als den Raum hinter sich komplett aufmachte. Seien Sie mutig. Setzen Sie nicht auf die Versager der letzten Jahre. Es muss sich etwas ändern, Herr Kramny.

Herr Kramny,  ich möchte nicht wieder bis zum letzten Spieltag leiden. Oder noch länger. Leiden ist scheisse. Leiden nervt. Ich möchte eine echte Identifikation mit dem Brustring sehen. Ich möchte sehen, wie sich die Spieler zerreißen und nach dem Spiel den verdienten Dreier mit einem Selfie feiern. Herr Kramny, ich vermisse diese Zeiten, die gar nicht so lange her sind.

Sie sind am Zug sie zurück zu bringen. Die guten alten Tage. Es wird an der Mannschaft liegen, aber Sie sind der Mann, der die Grundlage dafür schaffen muss. Vielleicht schaffen wir wieder einen furiosen Drei-Spiele-Zielsprint, aber was wenn nicht?

Denken Sie drüber nach und Handeln sie. Ich möchte nicht, dass der VfB runter muss. Lieber VfB,  Ich werde immer bei dir sein und deine Farben tragen. Aber ich muss zugeben – Es würde mir das Herz brechen!

Kämperische Grüße,

ein verzweifelter VfB-Fan

 

 


Titelbildquelle: Offizieller Twitteraccount des VfB Stuttgart

Die große Ernüchterung oder warum ich mir manchmal den Zorniger-Fußball zurückwünsche

Ich weiß nicht, was das Schlimmste war. Wie Georg Niedermeier Alfred Finnbogason, der das 1:0 erzielte, den Ball mit einer doppelten Schleife drumherum schenkte. Wie Toni Sunjic mehrfach problemlos überlaufen werden konnte. Oder doch wie Daniel Schwaab in seinen Situationen jeglichen Zweikämpfen erfolgreich aus dem Weg gehen konnte. Oder war es Emiliano Insua, der viel zu oft seine liebe Not hatte, seine linke Seite unter Kontrolle zu halten. Die Defensivleistung war einmal mehr beunruhigend. Einzig der unter der Woche mal wieder viel gescholtene Torwart Pommes Tyton zeigte eine fehlerlose Leistung. Er rettete u.a. gegen Caiuby und doppelt gegen Jeffrey Gouweleeuw und war damit Garant für die auf dem Papier knappe Niederlage. Eine ernüchternde Niederlage.

 

Doch fangen wir am Anfang an. Vor dem Spiel keimte Hoffnung auf, dass Federico Barba endlich sein Debüt geben könnte. Auf der PK vor dem Spiel erzählte Trainer Jürgen Kramny, dass er gegen Augsburg vielleicht einen Linksfuß in der Abwehr gebrauchen könnte. Der Italiener ausgeliehen vom FC Empoli, der sich im ersten Testspiel gleich verletzte und länger ausfiel, wartet immer noch seine Einsatzminuten. Barba ist so ein bisschen das Überraschungsei, das eingesperrt im Süßigkeitenschrank darauf wartet geöffnet zu werden. Und wir fragen uns, was im Überraschungsei steckt. Ist es der Top-Innenverteidiger den es nur in jedem 7. Ei gibt oder doch der Allerwelts-IV, der die gleichen Böcke wie die bekannten VfB-Defensivakteure schießt. Der Süßigkeitenschrank bleibt aber zugesperrt und ich als Fan frage mich langsam, wie Kramny und Co beurteilen möchten, ob man die Kaufoption ziehen sollte oder nicht. Stattdessen stellte Kramny eine Viererkette aus Schwaab, Sunjic, Niedermeier und Insua auf. Mal wieder 3 Antifußballer in einer Viererkette. Ernüchternd.

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Und dann fiel auch noch DER Leistungsträger der letzten Spiele aus. Lukas Rupp fiel über Nacht der grassierenden Grippe im VfB-Lager zum Opfer. Für ihn rutschte Florian Klein in die Startelf. Der Eindruck, dass der Österreicher völlig außer Form ist, bestätigte sich die gesamte erste Hälfte über. Bis auf einen gut gemeinten Torschuss bot der Österreicher eine eher überschaubare Leistung. Dazu der oftmals etwas grobmotorig wirkende Ukrainer Artem Kravets, der bislang – solange er von Beginn an spielte – selten einen Stich machte.

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Die mitgereisten Fans stimmten sich vor dem Spiel mit einer hübschen Choreographie trotzdem hoffnungsfroh auf die kommenden 90 Minuten ein. Als nach den letzten Spielen ernüchterter VfB-Fan, der zum zuschauen vom Sofa aus verdammt ist, konnte man aber durchaus sagen, dass die Ausgangsposition gar nicht so gut war. Die letzten Spiele, in denen man sich wieder und wieder vermeidbare Tore fing, hatten gezeigt, dass die viel gelobte defensive Stabilisierung unter Kramny irgendwie doch nicht so nachhaltig ist, wie es bisweilen noch immer in den Medien dargestellt wird. Dazu kommt: Die Augsburger sind der Angstgegner der letzten Jahre, die letzten 6 Partien gingen allesamt verloren. Mehr noch, die Augsburger haben sich die letzten Jahre als VfB-Trainerkiller etablilert; nach Spielen gegen den FCA standen Labbadia, Veh und zuletzt Alexander Zorniger ohne Job am Neckar da. Dafür waren die ersten paar Minuten noch einigermaßen passabel, jedenfalls brannte es nicht lichterloh von Titis Tor. Dafür ging aber aber auch nach vorne so gut wie gar nix. Der VfB scheiterte v.a. an einer Vielzahl an unpräsisen Bällen. Selbst als Marvin Hitz Florian Klein den Ball in die Füße spielte wurde nix aus der plätzlichen Chance nach vorne was zu reißen – ganz im Gegenteil, der Ball landete im Aus. Daniel Didavi hielt sich abseits von seiner Freistoßchance eher zurück, auch Filip Kostic riss relativ wenig, wobei man sagen muss, dass ihn Augsburg-Rechtsverteidiger Daniel Opare auch erstaunlich gut im Griff hatte. So konnte sich der VfB-Fan nicht mal über vergebene Hochkaräter aufregen, weil die Bälle gar nicht erst bei Kravets und Werner ankamen. Die Partie plätscherte vor sich hin, wobei man aber ständig den Eindruck hatte, dass Augsburg etwas überzeugender war. Das lag v.a. an der Vielzahl von hohen Daigonalbällen auf die Augsburger Außenpositionen, die erstaunlicherweise alle ankamen. Man hatte nicht den Eindruck, dass unsere Außenverteidiger die Sache unter Kontrolle hatten. So fanden die Augsburger immer wieder Räume hinter der Abwehr, indem sie die Außenverteidiger überspielten. Dementsprechend auch kein Zufall, dass auch der Gegentreffer über die Außenposition eingeleitet wurde. Schwaab und Klein ließen auf rechts den Augsburgern allen Platz der Welt und mühten sich erst gar nicht in einen Zweikampf zu kommen. Der Ball landete in die Mitte, wo Georg Niedermeier seine liebe Mühe hatte, den Ball unter Kontrolle zu bringen – nein mehr – er legte dem Augsburger Stürmer Finbogason den Ball auf der eiskalt vollstreckte. Vogelwildes Abwehrverhalten. Abwehrverhalten aus der Hölle. Ernüchternd.

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Nach dem Gegentor ging dann etwas mehr. Daniel Didavi scheiterte mit einer Großchance am Pfosten. So ging es in die Pause. 1:0 hinten gegen den FCA. Gegen den Angstgegner. Den Trainerkiller. Mal wieder. In einem Spiel, das uns durchaus hätte von den schlimmsten Abstiegsnöten befreien können. Ernüchtend.

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Die zweite Hälfte begann mit einem Wechsel. Der schwache Flo Klein wurde von Alexandru Maxim ersetzt. Mehr Spielkultur, mehr Präzision, schien der Wunsch von Jürgen Kramny zu sein. Maxim war aktiv, forderte den Ball, war an einigen Szenen beteiligt und gefiel mir deutlich besser als Klein. Allein er konnte das Spiel auch nicht drehen. Erst in den letzten 15, 20 Minuten bündelte der VfB nochmal alle Kräfte nach vorne. Taschy und Kliment kamen, doch auch sie konnten das Runde nicht ins Eckige bugsieren. Im Gegenteil, fast klingelte es zum 2:0 im VfB-Kasten. Kurz vor Schluss baute Daniel Schwaab einen Special-Effect im VfB-Defensivspiel ein, als er den Ball vor Caiuby abschirmen wollte. Das ging schief, Caiuby konnte allein auf Tyton zurennen und scheiterte letztendlich am eigegen Unvermögen und hatte dabei noch Glück, nicht wegen seiner armseligen Schwalbe gegen Niedermeier gelb zu sehen. Ernüchternd.

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Der VfB war also letztendlich mit dem 1:0 noch recht gut bedient. Was uns zur Frage bringt warum? Warum schon wieder? Es war ein so wichtiges Spiel, es hätte vielleicht sogar ein vorentscheidendes Spiel sein können. Und der VfB bringt mal wieder seine PS nicht auf den Rasen, sondern lässt sich gerade in seinem Defensivverbund von nicht gerade überragenden Augsburgen viel zu oft übertölpeln. Liegt es am Fehlen von Kevin Großkreutz und Serey Die, die in jedem Spiel alles raushauen und die Mannschaft mitreißen können? Gibt es in der Mannschaft keinen anderen, der Spieler mitreißen kann? Bzw. noch schlimmer: Ist die Mannschaft als Konstrukt nicht in der Lage, den Ausfall der beiden Mentalitätsmonster aufzufangen? Und wenn ja warum ist das so und welche Mittel und Wege findet Jürgen Kramny, das zu beheben? Die Gesamtsituation ist mal wieder beschissen. Ernüchternd.

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Manchmal wünsche ich mir den Zorniger-Fußball zurück. Der war zwar im Ergebnis oftmals uneffektiv, aber man hat (gerade in den ersten Spielen) einen Kampfgeist gesehen. Eine Galligkeit. Ein Zweikampfverhalten, das schon vorne begann und seinen Namen auch verdient hatte. Mittlerweile haben beim VfB gefühlt alle Männer hinter dem Ball zu stehen, die Spitzen Timo Werner und Artem Kravets lauern zum Teil erst hinter der Mittellinie. Der Weg zum Tor ist damit natürlich weit. Und das merkt man in jeder Situation, in der es der VfB doch mal schafft, den Ball zu erobern. Dann ist der körperlich robuste Kostic oft die einzige Option, die den Ball nach vorne bringen kann. Beim restlichen VfB-Kader kann man leider oft genug die Sekunden runterzählen bis der Ball wieder weg ist. Dumm nur, wenn Kostic keinen Stich macht. Wie heute. Ernüchternd.

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Was bleibt ist also die große Ernüchterung. Das Frust-von-der-Seele-schreiben. Da die Ergebnisse des restlichen Spieltag den 30. Spieltag der Saison 15/16 zum Worst-Case-Spieltag machen, steht der VfB jetzt auf Platz 15 da. Überholt von Augsburg. Überholt von Darmstadt. Überholt von Hoffenheim. Mit 2 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz 16, den ausgerechnet Werder Bremen belegt. Nicht auszudenken, was passiert, wenn Werder Bremen das unsägliche Montagsspiel gegen uns gewinnen sollte. Ich habe echte Horrorvisionen von einem Abstieg, wie ihn Eintracht Frankfurt vor 5 Jahren hinlegte. Die waren damals nach der Hinrunde auf Platz 8, galten auch ständig als gerettet und stiegen mit 34(!) Punkten als 17. ab. Kommt es beim VfB genauso, wäre das nach 2 Saisons, an deren Ende es immer um Sackhaaresbreite gelangt hat, ein Schlag ins Gesicht eines jeden VfB-Fans, der nur auf eine ruhige Saison gehofft hat. Und das wäre nicht nur ernüchtend sondern erschreckend und brutal!

 

 

 

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Meine „Noten für die Roten“

Skala: Schulnoten 1 – 6

Przemyslaw Tyton (TW): 2 – Fehlerlos, beim Gegentor schuldlos, hielt zweimal überragend.

Daniel Schwaab (RV): 5 – Schwach in den Zweikämpfen, ohne Impulse nach vorne

Toni Sunjic (IV): 4 – nicht katastrophal, aber hatte auch seine kleineren Böcke – diesmal ohne Auswirkungen

Georg Niedermeier (IV): 5 – Gegentor verschuldet, in den Zweikämpfen eher nicht souverän

Emiliano Insua (LV): 4 – Zog auf seiner Position viel zu oft den kürzeren

Florian Klein (RM): 5 – kaum Impulse nach vorne, meist komplett untergetaucht, suchte defensiv kaum Zweikämpfe

Daniel Didavi (ZM) 4 – Hatte zwei Hochkaräter, aber kein Glück, ansonsten eher blass

Christian Gentner (ZM) 5 – Gefühlt komplett unsichtbar

Filip Kostic (LM) 3 – Bemüht aber ohne Glück

Timo Werner (ST) 4 – wie immer aktiv, aber kaum in seine Situationen gebracht

Artem Kravets (ST) 5 – Komplett unsichtbar

Alexandru Maxim (RM) 3 – Musste sich zeigen und tat es auch, konnte aber keine entscheidenden Impulse setzen

Borys Taschy (ST) 5 – komplett unsichtbar

Jan Kliment (ST) 4 – Forderte den Ball, konnte aber mit den vielen hohen Bällen in der Schlussphase nichts anfangen

 

Quelle Titelbild: Twitteraccount von Gregor Preiss