Tun Sie was, Herr Kramny! – Ein Brandbrief an den VfB-Trainer

Sehr geehrter Herr Kramny,

Eins vorneweg: Natürlich ist es schwierig, anhand eines Spiels gegen den besten Tabellenzweiten aller Zeiten zu beurteilen, ob die Mannschaft den Ernst der Lage begriffen hat. Es gibt sicherlich einfachere Spiele, ja. Aber ich betrachte es als Pflicht eines jeden Spielers, der den Brustring trägt, zu kämpfen, zu beißen, zu rennen. Spätestens nach dem 3:0 war das komplette Team mal wieder am Ende. Man hätte glatt denken können, dass Thomas Tuchel seine Mannschaft gebeten hat, gegen seinen alten Arbeitgeber Gnade vor Recht walten zu lassen. Und Dortmund spielte sicherlich auch vor dem 3:0 nicht am Anschlag. Grundsätzlich war also was drin – auch wenn´s sich komisch anhört. Ganz sicher. Und trotzdem hat es wieder nicht gereicht. Genug Grund, um zu handeln. Um etwas zu tun. Machen Sie was, Herr Kramny!

Man kann nicht sagen, dass der VfB nicht auf dem Platz war. Mann kann auch nicht sagen, dass wir nicht nicht in die Zweikämpfe gekommen sind. Ganz im Gegenteil. Wir haben viele Bälle gewonnen. Die ersten Minuten haben mir gar nicht so schlecht gefallen. Bedauerlich, dass der letzte Pass nie ankam. Gut. Meistens kam nichtmal der vorletzte Pass an. Ein offensives Armutszeugnis. Dass ein fast schon jämmerlicher Fernschuss von Daniel Didavi im Prinzip die einzige nennenswerte Chance in Halbzeit eins war, spricht dann auch Bände. Bedauerlich, dass Filip Kostic mehrfach richtig stark durchbrach, doch die Flanken reihenweise Null Gefahr ausstrahlten.

Letzte Saison war es das magische Viereck aus Kostic – Didavi – Harnik und Ginczek, das uns letztendlich den Klassenerhalt ermöglichte. Das leicht modifizierte magische Viereck aus Kostic – Didavi – Harnik und Werner, das heute auflief hatte so gar nichts von Magie. Herr Kramny, eine magere Bilanz von 4 Torschüssen (1 Schuss aufs Tor) sollte doch ein Signal für Sie sein. Ein Ausrufezeichen. Nein, drei Ausrufezeichen. Ich bin der Meinung, dass wir zugunsten offensiver Durchschlagskraft mehr riskiereren müssen. Gerade für das Spiel gegen die Bremer, die genau wie wir nach 31 Spielen 63 Gegentore angesammelt haben und sich mit uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel der Schießbude der Liga liefern, ist es umso wichtiger, den Gegner hinten zu beschäftigen. Vielleicht sogar zu überfordern. Bock auf Offensive war doch einer der Hauptgründe für den Aufschwung nach der Winterpause, Herr Kramny. Es war eine Freude, Filip Kostic und Co. beim Kicken zuzusehen, wie sie die Gegner Woche für Woche niederrangen. Ich denke, wir hätten gute Karten, um das wahrscheinlich (vor-)entscheidende Spiel gegen Bremen zu unseren Gunsten zu entscheiden. Tun Sie was Herr Kramny. Um zu punkten, brauchen wir Tore! Lassen Sie die Jungs wieder von der Kette!

In den letzten 3 Spieltagen wird sich der Großteil der von Robin Dutt ausgerufenen Achter-Liga aus der Affäre ziehen. Dem 1.FC Köln ist es heute wohl gelungen. Genauso wie dem HSV wohl gestern. Der FC Augsburg hat auch wieder gewonnen. Und Hoffenheim hat mMn bei normalem Lauf der Dinge schon lange nichts mehr mit Abstiegskampf zu tun. Es ist kaum auszudenken und ich möchte mir es auch wirklich nicht vorstellen, was passiert, wenn wir das unsägliche Montagsspiel gegen Bremen verlieren.

Herr Kramny, Ihre Vision ist und bleibt es, den VfB defensiv zu stabilisieren. Wenn man sich die Statistik aber so ansieht, muss man konstatieren, dass es irgendwie nicht funktioniert. 63 Gegentore nach 31 Spielen sind ein wenig heftig, finden Sie nicht auch? Es muss etwas passieren. Das Debüt von Federico Barba war nicht das Gelbe vom Ei, aber sicherlich ein Fortschritt. In der Luft fand ich ihn stark, am Boden kam er erst in Hälte zwei in Fahrt. Seine Auswechslung konnte ich nicht nachvollziehen, es wäre die Chance gewesen, ihn noch innen zusammen mit Georg Niedermeier zu beobachten. Florian Klein hat sich mMn beachtlich aus der Affäre gezogen, auch wenn er nicht ganz unschuldig am 0:1 war, als den Raum hinter sich komplett aufmachte. Seien Sie mutig. Setzen Sie nicht auf die Versager der letzten Jahre. Es muss sich etwas ändern, Herr Kramny.

Herr Kramny,  ich möchte nicht wieder bis zum letzten Spieltag leiden. Oder noch länger. Leiden ist scheisse. Leiden nervt. Ich möchte eine echte Identifikation mit dem Brustring sehen. Ich möchte sehen, wie sich die Spieler zerreißen und nach dem Spiel den verdienten Dreier mit einem Selfie feiern. Herr Kramny, ich vermisse diese Zeiten, die gar nicht so lange her sind.

Sie sind am Zug sie zurück zu bringen. Die guten alten Tage. Es wird an der Mannschaft liegen, aber Sie sind der Mann, der die Grundlage dafür schaffen muss. Vielleicht schaffen wir wieder einen furiosen Drei-Spiele-Zielsprint, aber was wenn nicht?

Denken Sie drüber nach und Handeln sie. Ich möchte nicht, dass der VfB runter muss. Lieber VfB,  Ich werde immer bei dir sein und deine Farben tragen. Aber ich muss zugeben – Es würde mir das Herz brechen!

Kämperische Grüße,

ein verzweifelter VfB-Fan

 

 


Titelbildquelle: Offizieller Twitteraccount des VfB Stuttgart

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