On the Highway to zweite Liga

Der Schock über die wohl entscheidende Niederlage im Kampf um den Klassenerhalt hat sich mittlerweile gelegt. Die Enttäuschung und die Frustration ob des bevorstehenden Abstiegs ist aber noch immer allgegenwärtig. Dieser Verein bringt einen zur Verzweiflung, zum Weinen, zum Kopfschütteln. Wiedereinmal.

Heute morgen habe ich mich mit einem guten Kumpel unterhalten. Er hat mich angehalten, bloß nicht die Hoffnung aufzugeben. Im Fußball könne so viel passieren. Bis zum Schluss. Er scheint den VfB noch nicht aufgegeben zu haben. Blöd nur, dass er HSV-Fan ist.

Ich würde ihm so gerne glauben, aber was zum Teufel soll mir Hoffnung machen? Beim HSV hat am Ende der Schiedsrichter massiv in den Lauf der Dinge eingegriffen. Wenn uns diese Saison eines gelehrt hat, dann dass die Schiedsrichter höchstens für die Konkurrenten pfeifen. Oder gegen uns. Der Blick auf das Online-Portal „Wahre Tabelle“ macht höchstens aggresiv. Beim HSV fasste sich Marcelo Diaz ein Herz und verwandelte einen Freistoß. Eiskalt. Direkt. Unser letztes direktes Freistoßtor datiert noch immer von annodazumal. Beim HSV rackerte vorne Pierre-Michel Lassogga, von dem man halten kann, was man will, der aber eine mitentscheidende Rolle beim letztjährigen Relegationssieg des HSV trug. Der VfB lief gestern ohne (!) nominellen Stürmer auf.

Wie kann man also die Lage beim VfB mit der letztjährigen beim HSV vergleichen? Die Antwort lautet wohl gar nicht. Und das ist das traurige an der Gesamtsituation. Wie um Himmels Willen soll sich der VfB retten? Selbst wer kein Leistungskurs-Mathe-Abi hat, kann die Tabelle lesen: Der VfB hat es schlichtweg nicht in der eigenen Hand. Und mit Wolfsburg einen Gegner, der zwar schon genug unterirdische Spiele diese Saison abgeliefert hat, aber das Spiel sicherlich nicht abschenken wird. Allein schon, um sich einigermaßen versöhnlich von seinem Publikum in die Sommerpause zu verabschieden.

Es ist also eine absolute Scheiss-Situation oder aber um es mit Jürgen Kramnys Worten zu sagen „bitter“. Ich nehme es ihm ab, dass er zu „100%  VfB“ ist, wie Robin Dutt sagt, jedoch hilft das ja auch nichts, wenn er die Punkte nicht am Neckar behalten kann. In der Rückschau muss man wohl sagen, dass es ein Fehler von Robin Dutt war, an Kramny festzuhalten. Kramny wird in Wolfsburg nochmals auf der VfB-Bank Platz nehmen, wohl ein letztes Mal, wenn man den Berichten glauben kann.

Und wohl auch das letzte Mal, dass Bernd Wahler als VfB-Präsident in der Loge Platz nehmen kann. Auch bei ihm gilt ein Abschied als wahrscheinlich. Bei Robin Dutt ist die Situation noch unklar. Man muss ihm in der Trainerfrage den Hauptschuh anziehen, außerdem stellt sich das Problemfeld Innenverteidigung abschließend als todbringend heraus. 72 Gegentore in 33 Spielen sprechen eine (zu) klare Sprache. Die Frage ist, ob es dem Verein gelingt, in kurzer Zeit entsprechenden Ersatz auf dem Sportdirektor-Posten zu finden. Die Zweitligasaison startet früh.

Die entsprechenden Kaderentscheidungen müssen wohl im Rekord-Tempo getroffen werden. Dazu werde ich demnächst auch meine Gedanken zur Kaderplanung schildern.

Doch zum Spiel: Der VfB startete gut, ging früh 1:0 in Führung. Der Kapitän höchstselbst grätschte den Abschluss von Philipp Heise ins Mainzer Tor und feierte den Führungstreffer hochemotional. Die Fans waren da, meine Stimme war bereits nach einigen Minuten im Arsch. Wir schrien weiter, der VfB spielte aber nicht weiter, sondern überließ Mainz das Feld. Viele Spieler, allen voran die Herren Kostic und Didavi zogen in Zweikämpfen immer zurück. Logische Folge war irgendwann das 1:1 durch Malli und dutzende weitere gefährliche Mainzer Konter. In der Folge durften wir uns mehrfach bei einem richtig starken Mitch Langerak bedanken, dass das Spiel nicht in Bremer Verhältnissen endete.

So half auch die Rückkehr von Kevin Großkreutz nicht, den Turn-around zu schaffen. Der Hoffnungsträger machte ein sehr mäßiges Spiel und war an den Gegentreffern nicht unschuldig.Trotzdem wurde er nach dem Spiel als einziger gefeiert. Um eines klarzustellen, ich mag den Kerl auch. Er ist unglaublich authentisch, ehrlich und treu. Deshalb ist er schon wenige Monate nach seinem Transfer nach Stuttgart absoluter Publikumsliebling. Dass er nach dem Spiel weinend ein Interview gab manifestiert das nur.

Der Rest des Vereins hingegegen war der gnadenlosen Wut des Publikums ausgesetzt („Scheiss Millionäre“, „Vorstand raus“, „Wir ham die Schnauze voll“). Einige hirnlose Platzstürmer und Selfie-Jäger suchten die Konfrontation mit der Mannschaft. Einige Spieler blieben auf dem Platz und suchten den Dialog, andere flohen in die Kabine. Kevin Großkreutz musste mit Gewalt von zwei Ordnern vom Platz geführt werden. Am Ende verkroch sich das ganze Team in der Kabine. Hinter verschlossenen Türen. Mit einem Stuhl unter der Tür eingeklemmt. Die blanke Angst. Nach dem Spiel traten einige Mitglieder der Mannschaft den Fans gegenüber. Abgetrennt durch einen Zaun. Irgendwie symbolisch für einen Verein, in dem Fans und Mannschaft immer mehr fremdeln („Außer Kevin könnt ihr alle gehen“).

Nun also der Neuanfang in Liga 2? Ich bin ganz ehrlich: Beim Gedanken, dass nächstes Jahr Vereine wie (bei allem Respekt) Erzebirge Aue oder der SV Sandhausen in einer zu einem Viertel gefüllten Mercedes-Benz-Arena auflaufen, breche ich nicht gerade in Jubelstürme aus. Aber letztendlich hat der Verein jahrelang darauf hingearbeitet. Der Abstieg dieses Jahr ist die Folge der jahrelangen Misswirtschaft, die diesen Verein hat vor die Hunde gehen lassen. Das Ziel muss sein, schnellstmöglich wieder in Liga eins zu kommen, allein schon aus finanzieller Sicht für diesen chronisch klammen Verein. Schon in der grundsätzlichen Ausgangssituation ist die Gefahr groß, dass der Verein den Beispielen 1860 München Karlsruher SC und 1. FC Kaiserslautern folgt und kaum mehr in die Nähe der 1. Liga kommt. Fans, Mannschaft und Management müssen es schaffen, Erfolgsorientierung in den Verein zu bekommen. Wie das gehen soll? Zusammen! Allein sicher nicht.

 

Autor: @vfbsupporter

 

Bildquellen:

Titelbild: http://i1.web.de/image/380/31541380,pd=4,f=lead-xl/kevin-grosskreutz.jpg

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