aoMV – Warum ich mit „JA“ stimme

Am 01.06. möchte der VfB ein Stück Vereinsgeschichte schreiben und die Profi-Fußball-Abteilung ausgliedern. Auf den sozialen Netzwerken ist der Kampf zwischen Ja- und Nein-Sagern mittlerweile in vollem Gange. Der VfB wird für seine Kampagne mit Misstrauen bestraft und Verschwörungstheorien beider Seiten pflastern den Zeitstrahl, der Richtung aoMV führt.

 

Eins vorne weg: Ich finde die Art und Weise, wie der VfB in seinem Wahlkampf kommuniziert, alles andere als gelungen. Es wäre so einfach gewesen, offen und ausführlich über Vor- und Nachteile, Entscheidungsgrundlagen und in gewissem Umfang auch über Zukunftspläne zu berichten. Stattdessen wurden die Argumente auf den einprägsamen Satz „Ja zum Erfolg“ heruntergebrochen und damit Misstrauen und Verschwörungstheorien nur gefördert.

 

Der Drei-Wort-Satz „Ja zum Erfolg“ vereinfach viel, ist aber im Endeffekt nicht zwingend falsch. Geld schießt keine Tore, ist aber maßgeblicher Einflussfaktor, wenn es darum geht, eine auf Dauer funktionierende und qualitativ hochwertigen Kader zusammenzustellen. Siehe die Beispiele RB Leipzig (ja ich weiß, dass es sich um eine andere Art von Engagement handelt) und Hertha BSC Berlin. Selbstverständlich gibt es auch Gegenbeispiele, siehe Leverkusen, Wolfsburg, 1860 (auch hier andere Arten von Engagement) und natürlich die Sportsfreunde aus Hamburg. Daraus resultiert jedoch der ganz klare Fingerzeig, dass es auf die Leute ankommt, die das Geld investieren und nicht auf das Geld.

 

Vertrauen ist der erste Schritt zur Besserung

Auch wenn es diverse Gegenmeinungen gibt, ich bin der Meinung, dass derzeit das beste Management an der VfB-Spitze arbeitet, seit ich den VfB wirklich intensiv verfolge – dabei schließe ich natürlich v.a. Herrn Schindelmeiser ein, aber auch die Herren Heim und Dietrich. Gerade letztere beide sind mir ehrlich gesagt nicht furchtbar sympathisch, aber sie machen – soweit ich es aus der Ferne beurteilen kann – einen guten Job. Und das muss letztendlich der Bewertungsmaßstab sein, den wir anlegen müssen, wenn wir über gute oder schlechte Arbeit der Verantwortlichen reden.

Der Präsident redete zuletzt darüber, dass die Ausgliederungsdebatte den Verein gelähmt hat. Ich sehe das anders. Ich glaube, dass das grundsätzliche Misstrauen, dass die Verantwortlichen ja sowieso irgendwann nur ausgliedern wollen, den Verein gelähmt hat. Zur Klarstellung: ein gesundes Misstrauen ist nicht schlecht, Überwachung sorgt für Disziplinierung und das tut dem Verein letztendlich auch gut. Ich sah in den letzten Jahren aber auch heute teilweise ein übertriebenes Misstrauen gegenüber bestimmten Personen, das der Entwicklung des Vereins eben nicht so gut tut.

Ich möchte das ändern. Selbstverständlich stellt die Ausgliederung einen massiven Vertrauensvorschuss dar. Ich bin aber ohne Zweifel bereit, diesen zu Gunsten einer kontinuierlichen Entwicklung in der Zukunft zu gewähren. Dabei bin ich mir des Risikos durchaus bewusst, dass es nicht funktioniert. Ich bin aber überzeugt, dass die Chance dabei größer ist als das Risiko.

 

Der Zeitpunkt ist geeignet

Die Chance ist größer als das Risiko – das gilt meiner Meinung nach sowohl hinsichtlich der handelnden Personen als auch hinsichtlich des Zeitpunktes. Wir haben nicht nur jetzt Personen an der Spitze, denen ich sinnvolle Investitionen zutraue, sondern wir haben darüber hinaus auch jetzt Investitionsbedarf – sei es das Stadiondach oder die Nachwuchsplätze. Natürlich brökelt im NLZ nirgends der Putz von den Wänden, wer das sagt, verfälscht im Übrigen auch die Aussagen der Verantwortlichen. Es geht auch hier darum, die Qualität weiter zu optimieren, Innovationen nutzbar zu machen und dadurch Fortschritt zu erzielen – als BWL´ler kann ich dieses Innovationsdenken nur unterstützen.

 

Das Risiko ist kalkulierbar

Die Angst vor einer Rückkehr der „Champions-League-Falle“ ist eines der Argumente, die ich tatsächlich nachvollziehen kann. Letztendlich sehe ich das Risiko hier aber völlig im Rahmen. Der VfB würde im Falle einer Ausgliederung im ersten Schritt wohl seinen Etat von 40 auf ca. 50 Millionen erhöhen und sein Transferbudget von 5-6 Millionen auf etwa 10 Millionen. Diese Erhöhung bewegt sich in meinen Augen in einem vernünftigen Rahmen und unterstreicht den Anspruch der Verantwortlichen, keine verrückten Dinge machen zu wollen.

 

Mit der AG kann ich leben

Als Rechtsform hat der VfB die AG auserkoren und dafür ebenfalls Kritik geerntet. Es mag daran liegen, dass ich aus der Finanzbranche komme und damit keine Vorbehalte gegen die Rechtsform AG habe. Letztendlich komme ich auch hier wieder auf die in meinen Augen schwache Kommunikation des VfB zurück. Der VfB hält die AG schlicht für „die beste Rechtsform“, die Ultras fordern beispielsweise eher eine GmbH & Co. KGaA, um den Investoreneinfluss zu begrenzen.

Es wäre aus Sicht des VfB möglicherweise einfacher gewesen, mit dem Finger nach Berlin zu zeigen, als stumpf mit „die beste Rechtsform“ zu argumentieren. Hertha BSC gliederte bereits 2001 in eine GmbH & Co. KGaA aus und suchte dann jahrelang nach Investoren. 2014 stieg dann der amerikanische Finanzinvestor KKR ein. Würden wir die GmbH & Co. KGaA ernsthafter in Betracht ziehen, stünden wir also vor der Wahl, einerseits mit einer AG (mit den entsprechenden Auswirkungen auf den Einfluss der Investoren)  die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, Investoren zu finden, denen der VfB am Herzen liegt. Mit der GmbH & Co. KGaA sinkt andererseits der Einfluss der Investoren, daneben steigt aber auch das Risiko, infrastrukturell nicht ansprechend genug für die Investoren aufgestellt zu sein, die sich wirklich für den VfB interessieren. Ich für meinen Teil habe meine Entscheidung getroffen; ich möchte keinen x-beliebigen Investor – deshalb kann ich mit der AG leben.

 

Ein Abschlusswort

Abschließend bleibt mir zu sagen: Ich würde mich freuen, wenn die notwendige Mehrheit das Vorhaben der Ausgliederung unterstützt und dem VfB die Möglichkeit gibt, diese Chance wahrzunehmen. Ich für meinen Teil werde meinen Beitrag leisten.

Und: Ein Aufruf an alle – Egal ob Ja oder Nein: Alle zur MV! Morgen stehen wir Mitglieder in der Verantwortung. Es wäre herausragend, wenn so viele Mitglieder wie möglich ihre Meinung kundtun. Es kann nur im Sinne des VfB und seiner Fans sein, wenn das Abstimmungsergebnis so repräsentativ wie möglich ist.

Und: Egal, wie es ausgeht. Wir sind alle Fans des VfB. Wir lieben diesen Verein. Wir leben diesen Verein. Und das werden wir weiter tun. Egal ob e.V. oder AG.

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